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Kleine Geschichte des Koppelsberges

von der Eiszeit bis ins Jahr 1951

von Johannes Jürgensen

 

Wie der Koppelsberg „zusammengeschoben“ wurde

Die Erde unter unseren Füßen, die Steine, die wir bei unseren Rundgängen ins Wasser werfen, haben eine weite Wanderung hinter sich. In den Eiszeiten der vergangenen 600.000 Jahren haben Gletscher aus Skandinavien wie riesige Planierraupen Erdreich vor sich hergeschoben.

Wurde das Klima dann wärmer, schmolz das Eis und lies Steine, Geröll und Sand liegen.

Mindestens drei solcher „Berge versetzender“ Einschübe sind uns bekannt. Der letzte kam im Plöner Bereich zum Stillstand, nachdem er zuvor ein längliches großes Becken ausgeschoben hatte: die Seelandschaft zwischen Diecksee und Großem Plöner See. Dort, in dieser „Hohlform“, blieb das sogenannte Grundeis liegen, während der darüber liegende Gletscher schmolz.

Bevor jene Grundeismassen tief in der Erde sich endgültig auflösten, sorgte ein Temperaturabfall noch einmal für einen neuen Vorstoß des Gletschers. Er kam aus Richtung Preetz und blieb auf dem Gebiet des Kleinen Plöner Sees und des Trammer Sees liegen.

Dort lies er als Endmoräne die Landbrücke Ascheberg/ Koppelsberg/ Plön/ Parnaß/Behl zurück. 8.500 Jahr vor Christi Geburt schmolz das Eis endgültig, der Wasserspiegel sank etwa auf den jetzigen Stand und die heutige Landschaft wurde sichtbar.

Entstehung der Eselswiese

Für ca. 300 Jahre zeigte der Große Plöner See jedoch ein leicht verändertes Gesicht.

Im 16. Jahrhundert hatte der Vater des ersten Plöner Herzogs das Wasser angestaut, um Mühlen zwischen den beiden Plöner Seen betreiben zu können. Ebenso brachte nun der Aalfang in den verbindenden Wasserläufen bessere Erträge. Diese Maßnahme zur Verbesserung des Plöner Wirtschaftslebens hatte jedoch auch zur Folge, dass ca. 300 Jahre lang durch den Wellenschlag mancher Kubikmeter Sand von der Steilküste des Koppelsbergs (oberhalb der Eselswiese) in das Wasser hinausgetragen wurde.

Doch in den 70er Jahren des vorletzten Jahrhunderts war man es in Plön und anderen Anliegerorten des Großen Plöner Sees leid, bei stärkeren Winden Überschwemmungen erleben zu müssen. So entschloss man sich 1881 zur Beseitigung der Stauwerke. Der Wasserspiegel sank um 1,13 Meter und die Prinzeninsel bekam nun wieder eine Landverbindung, die sie im 16. Jahrhundert schon gehabt hatte. Ebenso gab das Wasser einen flachen Uferstreifen an einigen Stellen rundum den Plöner See frei.

Wir können ihn am Koppelsberg unterhalb des Steilhangs auf der Eselswiese gut erkennen.

Die ersten Bewohner

Die - vermutlich - ersten Bewohner des Geländes, das heute zum Koppelsberg gehört, hatten sich in der Nähe der Hintersten Wache niedergelassen. Hier gab es nicht weit vom Ufer des fischreichen Kleinen Plöner Sees entfernt gute Weideplätze. Pfeilspitzen aus Flintstein, die man hier fand, lassen darauf schließen, wie man hier Fische fing.

Vor der großen Völkerwanderung im 4. und 5. Jahrhundert nach Christi Geburt lebten im gesamten Ostholsteinischen Raum germanische Stämme. Als sie jedoch das Land verließen, rückten von Osten her die Wenden nach. Doch schon bald wurde ihnen ihr neues Siedlungsgebiet wieder streitig gemacht. Von Neumünster aus begann die Christianisierung, die bald von Germanisierungsversuchen begleitet war. Vor allem die Herzöge Sachsens versuchten, die Wenden zurück zu drängen. In den folgenden Auseinandersetzungen ist dann auch wiederholt Plön und sein Umland betroffen.

Mit der Zerstörung der wendischen Wasserburg auf der Insel Olsborg im Großen Plöner See (1139) wird der Wendenherrschaft im holsteinischen Raum der letzte entscheidende Stoß versetzt. Der Schauenburger Graf Adolph II beginnt die systematische Kolonisierung Ostholsteins.

Während in der alten Wendenburg Eutin 1143 holländische Einwanderer angesiedelt werden, bei Süsel Friesen und bei Ahrensbök Westfalen, bleibt das Plöner Land vorerst sich selbst überlassen. Hier wohnen noch für ein knappes Jahrhundert Germanen und Wenden friedlich nebeneinander.

Das ändert sich 1236, als Plön von Adolph IV die Stadtrechte erhält. Der Koppelsberg gehört zum sog. Weichbild der Stadt, also zu dem Gebiet, in dem das lübische Recht gilt, das zuvor in Plön eingeführt worden ist. Die Wenden müssen nun vor das westliche Tor, das sog. Wendtorper Tor, ziehen. Vermutlich gründen sie auch im Bereich des Koppelsbergs Wohnsiedlungen; denn das Weichbild der Stadt reicht bis zur „Karperbrücke“. Die Karper Au ist bis in unsere Zeit hinein die Grenze des Gutes Ascheberg.

Das „Schloss" auf dem Koppelsberg

Herzog Hans Adolph, als Feldmarschall auf den Schlachtfeldern Europas ein erprobter Mann, ist aufgrund seines abenteuerlichen Lebens der Held vieler Sagen. Professor Klander hat sie gesammelt und erzählt unter Anderem folgende Sage:

Als der Herzog einmal eine seiner großen Reisen antritt, befiehlt er, Stocksee - das Amt Stocksee hatte er zu den anderen Plöner Ämtern hinzuerworben - zu vergrößern und als Stadt auszubauen. Seine Frau jedoch verbraucht das Geld für den Bau der Plöner Neustadt. (In Wahrheit hat Hans Adolph das Verdienst, die Neustadt gegründet zu haben.) Als der Herzog nach seiner Rückkehr überprüfen will, wie sein Auftrag ausgeführt wurde, wird er enttäuscht. Er schwört seiner Frau den Tod. Diese flieht - so die Sage - auf das Schloss auf dem Koppelsberg und sieht dann bald den ergrimmten Herzog näherkommen. In ihrer Verzweiflung stürzt sie sich aus dem Fenster des Schlosses und stirbt.

Königsbesuch

1840 erwählt der Dänische König Christian VIII das Plöner Schloss als Sommerresidenz. In den kommenden Jahren überquert nun des öfteren eine prächtige Reisegesellschaft den Koppelsberg. Aus einem Augenzeugenbericht vom 7. September 1842 erfahren wir, dass der Dänische König an der ehemaligen „Landesgrenze“ erwartet wird, d.h. nicht sehr weit von der Hintersten Wache entfernt. Schon um 12.00 Uhr mittags zieht eine Ehrengarde unter Trompetenklang zur Stadt hinaus. Über 4 Stunden muss man warten, bis endlich der König kommt. Sicher hat die nahe Gastwirtschaft mit dazu beigetragen, die Zeit zu verkürzen. Dann endlich treffen die ersten Vorboten ein. Am Spätnachmittag um 17.00 Uhr herum ist der König selbst da. Unter Glockengeläut zieht er dann eine halbe Stunde später in die Stadt ein.

Der Bau der Eisenbahn

Seit Mitte der vierziger Jahre wird öffentlich und in den Amtsstuben darüber diskutiert, wie Plön an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen werden kann. Zwei Lösungen sind im Gespräch. Die eine, die dann auch 20 Jahre später verwirklicht wird, sieht vor, dass die Trasse von Ascheberg kommend über den Koppelsberg führt, den Schlossgarten durchschneidet und dann am Ufer des Großen Plöner Sees entlangführt.

Der Dänische König stimmt zwar dieser ersten Lösung zu, doch insgeheim scheint er eine andere Lösung zu bevorzugen; die Eisenbahn soll in der Nähe des Gutes Wahlstorf die Schwentine überqueren und dann an Wittmold vorbei die Stadt bei der Ausfallstraße nach Preetz erreichen. Der Bahnhof ist am Appelwarder vorgesehen.

1864 entscheidet sich die Altona-Kieler Eisenbahngesellschaft für diese zweite Lösung, ebenso das Deputationskollegium. Da meldet sich sehr entschieden die Öffentliche Meinung zu Wort; denn die beliebten „Langschen Anlagen“ werden durch den Zugverkehr beeinträchtig.

Eine Bürgerinitiative sammelt 238 Unterschriften und hat schließlich Erfolg - und der Koppelsberg hat seine Eisenbahn.

Im Laufe des Jahres 1864 entscheidet man sich für die erste Lösung. Bald beginnen auf dem Koppelsberg die Erdarbeiten für die Anlage der Trasse. Der Hügel wird durchschnitten und der sumpfige Untergrund der Hellwiese muss befestigt werden. Auf der Anhöhe hinter der Kapelle, wo man die Strecke von beiden Seiten aus gut übersehen kann, wird ein Häuschen gebaut. Hier wacht ein Aufseher, der den herankommenden Zügen durch ein Zeichen freie Fahrt gibt. Die Schienen führen sehr dicht an der Hintersten Wache vorbei.

Die Preußischen Landvermesser kommen

Nach 1864 kommt das Plöner Land zu Preußen. Das Schloss wird ab 1867 Kadettenanstalt. In den Sommermonaten 1871 treffen wir auf dem Koppelsberg preußische Landvermesser, die hier wie überall das Gelände und die Seen genaustens erfassen. Die Ufer des Großen Plöner Sees sind noch nicht abgesenkt, so dass das Wasser direkt an den Steilhang reicht. Die Gebäude auf dem Koppelsberg, die damals verzeichnet wurden, sind heute nicht mehr vorhanden.

Die Landvermesser setzen neben dieses Grundstück und die Gebäude den Namen Kaiserburg, ein Name, der sich in den späteren Jahrzehnten offensichtlich für das ganze Koppelsberg-Gelände eingebürgert hat.

Erst Wilhelm Moll bringt wieder den alten Flurnamen Koppelsberg in Gebrauch.

Familie Moll erwirbt den Koppelsberg

Als dreißigjähriger heiratet der Kaufmann Wilhelm Moll am 22. 01.1897 die Bielefelder Fabrikantentochter Emmy Stroers. Zwei Jahre später wird er Mitinhaber der berühmten Hamburger Marklerfirma C.A. und N.L. von der Menden. Regelmäßig verbringt er zusammen mit seiner Familie - 1898 ist die Tochter Leonie geboren - einen längeren Sommerurlaub am Großen Plöner See. Er wohnt dann in „Schwiddeldei“, einem Gasthaus in der Nähe des Ascheberger Schlosses. Meistens bewohnt er das kleine Häuschen auf der gegenüber liegenden Straßenseite, auf das man zufährt, wenn man von Ascheberg kommt. Den Dauergästen zuliebe wird auf der Hauswand in einem noch heute zu erkennenden Feld eine besondere Innschrift angebracht: Der e-moll Akkord, Emmy Moll zu Ehren.

Am See liegt ein Segelboot, mit dem Wilhelm Moll häufig Ausfahrten unternimmt. Immer wieder segelt er an den „Plöner Alpen“ vorbei und fasst dann irgendwann nach der Jahrhundertwende den Entschluss, sich dort auf der Anhöhe einen Sommersitz zu bauen.

Die Grundstücke

Die Grundstücksverhandlungen beginnen 1910; er erwirbt die ersten 3 Koppeln:

• Die „Hinterkoppel“ kauft er dem Gärtner Caspar Kreuzfeld ab. Es handelt sich um das Gelände, das einerseits durch die Posaunenmission und auf der anderen Seite durch den Großen Plöner See begrenzt wird.

• Einen Streifen von der B 430 bis zur Eselswiese in der Breite des heutigen Studienhauses kaufte er vom Viehhändler und Schlachter Schönjahn aus Plön.

• Schließlich erwirbt er von dem Landwirt [Johan Heinrich Christoph Ohrtmann?] ein relativ großes Stück; den Streifen, der von der Kastanienallee einerseits und dem Zaun begrenzt wird, der das Gelände der Landvolkshochschule gegen die Viehweiden abschließt, die unterhalb der Schule liegen.

Die beiden zuletzt genannten Stücke tragen den Flurnamen „Großer Koppelsberg“.

1911 kann er Zwischen- und Anschlussstücke kaufen:

• Die „Goldgrube“, der neu aufgeforstete Streifen zwischen Studienhaus und Straße. Vorbesitzer ist Landwirt und Gastwirt der Hintersten Wache, [Eduart Hesseling?].

• Ebenfalls von Herrn Hesseling erwirbt er den sog. Kleinen Koppelsberg, das Hanggelände unterhalb der Landvolkshochschule.

Nun wendet er sich den Grundstücken auf der anderen Seite der Hauptstraße zwischen Ascheberg und Plön zu:

• 1911 kann er ebenfalls von Schlachter Schönjahn die große Hellwiese kaufen

• Im gleichen Jahr erwirbt er die Gartenkoppel jenseits des Bahndammes

• 1912 kauft Wilhelm Moll auch die Hinterste Wache und das Gelände um die Wache herum

Neue Gebäude

Das Gelände ist gekauft, muss aber nun auch bewirtschaftet werden. Gleich 1910 geht Wilhelm Moll daran, die notwendigen Wirtschaftsgebäude zu bauen: Stallungen, Mitarbeiterwohnungen, Geräteschuppen.

Auch sind die Zeichnungen für das Haupthaus bald fertig, sodass die Handwerker auf der Anhöhe mit dem herrlichen Blick über den Großen Plöner See mit einem weiteren Neubau beginnen können.

Es macht Schwierigkeiten, das Baumaterial von der Straße zum Bauplatz zu transportieren. Ein Weg wird in den steilen Hang hinter dem eben fertig gestellten Torhaus geschnitten, Schienen für eine kleine Lorebahn verlegt, nun lässt sich alles Notwendige auf die Anhöhe befördern.

Während der Bauzeit wohnen Molls in Ascheberg. Sie haben einige Änderungswünsche, die es notwendig machen, bei der Polizei Genehmigungen einzuholen: Die Küche wird verlegt, im oberen Geschoss wird an der Südseite ein Balkon vorgebaut. Schon nach einem Jahr Bauzeit kann das Herrenhaus Anfang April 1912 zum Osterfest im kleinen Familienkreis eingeweiht werden.

Die Landwirtschaft

Etwa 52 ha sind auf dem Koppelsberg zu bewirtschaften. Ein großer Teil der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Daneben gibt es kleine Anpflanzungen und etwas Ödland an den Ufern der beiden Seen.

Die Familie Moll

Der Vater Wilhelm Molls hat ein Südfranzösin geheiratet, genannt Tante Jeanne, und ist als Kaufmann mit ihr nach Argentinien gegangen. Hier wird Wilhelm Moll als ältester von 5 Geschwistern 1866 geboren. Schon bald kehrt die Familie nach Hamburg zurück, denn der Vater stirbt früh.

Der nächst ältere Bruder Carlos geht später als Kaufmann wieder zurück nach Südamerika, nach Buenos Aires. Aus der Ehe mit seiner Frau Alice gehen drei Kinder hervor, zwei Töchter und ein Sohn. Der Sohn Carlitos kommt in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges in Berlin um. Eine der Töchter, die den Vornamen ihrer Mutter trägt, jedoch Tita genannt wird, heiratet einen Holländer mit Namen Kerssemarkers. Die drei Kinder aus dieser Ehe (Alicia, Lisette und Jan-Karel) halten bis heute Verbindung zu Frau Trint, die noch auf dem Koppelsberg wohnte, als diese Darstellung entstand. Sie sind die einzigen Nachkommen aus der Familie Moll.

Der nächste Bruder Alfred bleibt unverheiratet. In jungen Jahren geht er nach Afrika und kehrt bei Ausbruch des 2. Weltkrieges nach Deutschland zurück. Bei seinem Bruder auf dem Koppelsberg findet er eine Unterkunft. In vielen Dingen macht er sich nützlich. Er ist ein Sonderling, tagsüber - so erzählt man sich - läuft er meistens im Trainingsanzug herum, während er sich sonntags sehr vornehm seinen „Palm Beach Anzug“ anzieht.

Im Alter erblindet er, macht aber dennoch unentwegt Sparziergänge über den Koppelsberg. Bis zu seinem Tod wird er in rührender Weise von Familie Möller, den Pächtern des Bauernhofes, versorgt.

Herbert von Borries wirbt um die Tochter Leonie, kurz „Leo“ genannt. Sie haben sich auf einer Hochzeit kennengelernt, zu der beide als Freunde des Brautpaares eingeladen worden waren. 1923 wird die Verlobung gefeiert, im Frühjahr 1924 die Hochzeit. Doch schon 6 Wochen später stirbt Leonie an einer Lungenentzündung. Ein furchtbarer Schlag für die Familie und alle Freunde. Für die Urne der Verstorbenen wird 1925 ein kleines Mausoleum gebaut, in dem dann nach und nach auch die Urnen von Wilhelm, Alfred und Emmy Moll ihren Platz finden.

Nach dem Tod der Tochter braucht die leicht schwermütig veranlagte Frau Moll einen Menschen, der dauernd da ist - ihr Mann hat in Hamburg viel zu tun. In „LuLu“ Trinkt, die Frau des Bankdirektors aus Plön, findet Frau Moll einen Menschen, der sie von nun an durch Freud und Leid begleitet.

Wer soll nun den herrlichen Koppelsberger Besitz erben, nachdem die einzige Tochter verstorben ist?                                                  

Viele Jahre bleibt diese Frage offen, bis man sich für den folgenden Weg entscheidet: Die beiden Leute möchten ihren Lebensabend hier verbringen und nach ihrem Tod das ganze Anwesen einer gemeinnützigen Stiftung in Hamburg überlassen.

1938 zieht Herr Moll sich aus der Verantwortung in der Hamburger Marklerfirma zurück, die Wohnung in Hamburg-Uhlenhorst wird aufgegeben.

Der ursprüngliche Plan ist seit einigen Jahren nicht mehr durchführbar. Denn alle Stiftungen sind aufgelöst worden. Was soll nun werden. Bevor eine neue Lösung gefunden wird, stirbt Herr Moll. Während des Badens im See trifft ihn einen Schlaganfall. Gelähmt liegt er noch einige Tage im Krankenbett, bis er am Morgen des 5. Juli 1940 stirbt.

Wenige Wochen später kommt der Vertraute der Familie, Rechtsanwalt und Notar Dr. Max Predöhl, zum Koppelsberg, um die Zukunft zu beraten. Erst 8 Jahre später bahnen sich konkrete Entscheidungen an.

Das Kriegsende

Am 12. Mai 1945 wird das Haus von den Engländern beschlagnahmt. Frau Moll und Frau Trint dürfen noch einige Wochen im Seitenflügel wohnen bleiben.

Der Oberst fordert, das Herrenhaus ganz frei zu machen. Denn er möchte seine Familie aus England holen. Frau Trint hat den rettenden Einfall: Auch von Brockdorfs müssen Vertriebene und Ausgebombte aufnehmen. Also ziehen alle Verwandten herüber und machen im Gärtnerhaus Platz für Frau Moll und Frau Trint. Über 6 Jahre werden beide hier wohnen bleiben. Nach wie vor kommt viel Besuch. Das Haupthaus und der Garten darf nicht betreten werden, dort residiert jetzt der englische Offizier.

Verhandlungen mit der Landeskirche

Die Besuche des Rechtsanwalts Dr. Max Predöhl werden immer häufiger. Was soll mit dem Koppelsberg nun werden. Frau Moll weiss nicht, wie lange sie noch leben wird. Nutzen kann sie ihren Besitz in absehbarer Zeit nicht. Wie lang wird der Engländer noch bleiben?

Drei Möglichkeiten sind im Gespräch. Zunächst wird versucht, das Anwesen nun doch der Anverhoffstiftung in Hamburg zu übereignen, die nach dem Krieg wieder eingerichtet wurde. Die Verantwortlichen sehen sich jedoch nicht in der Lage, das Erbe zu übernehmen. Finanziell ist die Stiftung zu schwach, um Gebäude und Gelände unterhalten zu können.

Für die zweite Möglichkeit setzt sich vor allem der Rechtsberater ein. Er möchte den Koppelsberg einer großen Industriefirma übereignen, die für ihre Betriebsangehörigen hier eine Erholungsstätte schaffen könnte.

Frau Moll und ihr Schwager Alfred Moll, der inzwischen völlig erblindet ist, setzen sich für die dritte Möglichkeit ein, die dann auch Wirklichkeit wird.

Seit Jahren sucht die Evangelische Jugend Schleswig-Holstein Räume für das Landesjugendpfarramt.

Zunächst wird es vom Havetofter Pastorat aus mit verwaltet. Dort in Angeln ist Otto von Stockhausen Gemeindepastor. 1948 kann man notdürftig im Waldheim am Brahmsee unterkommen. Aber der Verein möchte die Räume bald wieder zurück haben. Wohin jetzt?

Überall werden die Fühler ausgestreckt. Auch Pastor Böttcher von Ascheberg beteiligt sich an der Suche und führt erste Gespräche mit Frau Moll.

Kurze Zeit später kommen Otto von Stockhausen, der Präsident und der Finanzreferent des Landeskirchenamtes zu Besuch. Die Bedingungen werden geklärt. Schließlich wird die Entscheidung von der Landessynode erwartet. Es ist nicht leicht, die Synodalen zu überzeugen, doch schließlich stimmt die Synode einstimmig zu.

Die Evangelische Jugend hat jetzt ein Haus.

Übergabe an die Evangelische Jugend

Die Evangelische Jugend hat ein Haus - und hat es doch nicht. Im Herrenhaus wohnt der Engländer, der auch keine Anstalten macht, das Haus zu räumen. Das Landesjugendpfarramt muss noch einmal eine neue Unterkunft suchen; das Waldheim am Brahmsee muss frei gemacht werden, der Koppelsberg steht noch nicht zur Verfügung.

Für einige Monate kommt man provisorisch in Kiel unter.

Doch schließlich gelingt es, in der Hintersten Wache einige Räume frei zu bekommen. Im April 1951 kann in der Hintersten Wache die erste Freizeit stattfinden und unten auf der Eselswiese können schon Zeltlager aufgebaut werden. Nur darf niemand in die Nähe des Haupthauses kommen, dort lehren bissige Hunde einem das Fürchten. Der Auszug des englischen Offiziers verzögert sich um Wochen und Monate.

Ein großes Landesjugendtreffen wird für den 15./16. September geplant und als „Ergreifung des Koppelsbergs“ angekündigt. Aber noch einmal kann der „Besatzer“ die Frist hinauszögern. Im Oktober räumt er dann endlich das Haus, und die Arbeit kann in den Räumen des Herrenhauses beginnen.

Frau Moll und Frau Trint ziehen zurück und bewohnen im 1. Stock den nördlichen Flügel des Hauses.

Am 14.11.1953 stirbt Emmy Moll. Nach ihr ist inzwischen die Veranstaltungshalle benannt, die sich an die Studienhäuser anschließt: das Emmy-Moll-Haus. Es ist Mittelpunkt des Koppelsbergs, wie früher die Familie Moll.

Johannes Jürgensen

Digitalisiert von Fenja Kramer

Geringfügig geändert, aktualisiert und ergänzt von Tilman Lautzas