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Theologische Thesen zu Selbstverständnis und Praxis Evangelischer Schülerinnen- und Schülerarbeit in Nordelbien

1. Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit versteht sich als unverzichtbaren Teil der einen Kirche Jesu Christi in der Welt.

Sie ist unverzichtbarer Teil von Kirche, weil sie auch Schülerinnen und Schülern, die nicht von anderen Formen kirchlicher Jugendarbeit erreicht werden, die Begegnung mit dem Evangelium ermöglicht und so am missionarischen Auftrag der Kirche mitarbeitet.

Sie ist unverzichtbarer Teil von Kirche, weil sie den (Lebens-) Raum zwischen Schule und kirchlicher Jugendarbeit als Ort der Bildung in evangelischer Verantwortung bestimmt und gestaltet.

Sie ist unverzichtbarer Teil von Kirche, weil sie in diesem Raum Jugendlichen, die sich dafür in aller Freiheit interessieren, Engagement und Persönlichkeitsbildung ermöglicht. Sie eröffnet geistliche Beheimatung in der Welt.

2. Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit ist evangelisch.

Sie versteht die und den Einzelne(n) als vor Gott ganz und gar gerechtfertigte Person, - allein aus Gnade - ohne jedwede notwendige eigene Leistung.

Sie weiß um die Erfahrung der Unerlöstheit, des Fragmentarischen, des Scheiterns und des Todes und bringt sie zur Sprache.

Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit lässt Jugendliche Solidarität erfahren und ermutigt sie zur Hoffnung.

Sie beharrt gegen jede Form von religiösem Heilsegoismus auf der gesellschaftlichen und politischen Bedeutung des Evangeliums.

Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit misst sich selbst, Theologie und Kirche in Geschichte und Gegenwart an diesem Evangelium.

Kraft des Priestertums aller Glaubenden wählt sich die Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit nach den Vorgaben der Nordelbischen Jugendordnung ihre Leitung aus der Mitte der Interessierten. Die Gesamtverantwortung nehmen die in ihr Mitarbeitenden unter Berücksichtigung der hauptamtlichen Strukturen gleichberechtigt wahr (1. Korinther 12).

3. Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit ist theologisch notwendigerweise Bildungsarbeit.

Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen als individuell geschaffenem Gegenüber schenkt jedem Menschen die Fähigkeit zu eigener Kreativität. Aus dieser Schöpferkraft folgt das Recht auf Bildung als Reflexion und Lebenshaltung, nämlich darauf den je individuellen Bildungsweg zu gestalten, der wesentlich durch Selbstbildung geprägt ist.

Die Gottesebenbildlichkeit verleiht jedem Menschen eine ihm eigene Würde. Aus dieser Würde folgt das Recht eines jeden Jugendlichen auf Schule und eine angemessene Ausbildung, mithin die Ermöglichung Wissen und Handlungskompetenz zu erlangen.

Die Gottesebenbildlichkeit macht jeden Menschen zu einem ganzen unteilbaren Wesen. Aus dieser Ganzheit folgt, dass nicht nur die schulische und berufliche Ausbildung, sondern die gesamte Lebenssituation in den Blick genommen wird. Ganzheitliche Bildung zielt entsprechend auf die Bildung von Schülerinnen und Schülern als Weg der Selbstwerdung und Weltaneignung und auf ein Mehr an Möglichkeiten für sie.

Nachfolge Christi bedeutet für den Menschen in Bildungsprozesse gerufen zu sein. Jeder Mensch ist zur aktiven Gestaltung seines Bildungsweges aufgerufen, so wie in jedem Menschen Talente ruhen, die eingesetzt werden sollen (Lukas 19,11-27). Über das notwendige schulische Lernen hinaus, ist jeder Schüler und jede Schülerin zu einer eigenverantwortlichen Selbstbildung gerufen, die zu ermöglichen ist.

Zu einer vollständigen Wahrnehmung von Bildung gehört auch die Einsicht, dass Wissen nicht alles ist und dass zum Leben das Scheitern gehört. Bildung lässt sich nicht beliebig steigern und gelingendes Leben lässt sich nicht planen.

Der Heilige Geist setzt in Bewegung. Als Geist der Freiheit (Römer 8,17ff; 2. Korinther 3,17) eröffnet er emanzipatorische Bildungsprozesse, in denen Jugendliche Strukturen von Unfreiheit beim Namen nennen.

Der Heilige Geist führt zusammen. Als Folge eines verantwortlichen Bildungsprozesses lässt er Menschen in solidarischer Gemeinschaft Schritte auf dem Weg zu einer gerechteren Welt entwickeln.

Der Heilige Geist schafft Neues. Bildungsverständnis und Bildungsinhalte sind stets aufs Neue zu überprüfen.

Als “Brückenbauerin“ zwischen kirchlicher Jugendarbeit und Schule geht Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit von den Lebenswelten von Schülerinnen und Schülern aus. Indem sie ihrem Selbstverständnis und den Schülerinnen und Schülern treu bleibt, erweist sie sich als bereichernde Bildungspartnerin.